Aber wenn noch Steine liegen, dort, wo ich gehen soll. Bemooste Pfade, geschmückt mit Knochenastwerk. Fuchsspuren im Kreis gezogen, ein geplatztes Elster-ei. Blattlider singen dort, wo ein mancher schämend weint. Schreie prallen an die Borken, während Sonnenarme durch die kahlen Pfähle schießen. Wenn dort doch noch die Steine liegen, und Pilzgeflecht, das sich feucht in die Unterhaut des Waldes nagt... Farne, Eicheln, Idioten. Dunst und Düsternis aus den Karnickellöchern; mein Wald ist groß, mein Wald ist Gram.
Steine überleben.
Ich treibe. Seh' den Trieben zu. Helle Knospen, man hört sie knacken. Die Hirschmütter veraasen sich, man sah auch mal einen Luchs verlaufen. Ich hätt' so gern noch mehr von hier.- Meine Adler kennen nur die See. Und streichelbare Kindesfelle, ohne Abweis ihrer Mütter. Aber Steine, sieh, Felsen auch; saurer Boden, der Wald ist krank.
Geschwisterpaare treffen sich hier, zwei sind sie immer, eines verirrt. Ein anderes bleibt stehen. Ich kann nicht helfen, bin Tier im Mensch, zähl Steine, baue Mauern ums Sonnenlicht, verputze. Ich sehe Schnecken beim Sterben. Steine überleben.
Grad im Winter auch, wenn Wolfsgeruch beißt. Nasses Unterfellfett seinen Duft entlädt. Wenn keuchende Stimmen, weiße Atemwolken, doch alles sonst leise und nichts zu sehen ist; wenn morgens und abends der Nebel hier steigt, satte Maden sich in blutende Bärenbäuche betten; wenn alles scheint, doch auch alles so ist. Dann ist es. Paradies. Ist im Dunkel unlösbar. Doch ist es nur gleicher Code aus gleichen Zeichen, jeden Tag ein Gedeihen mehr. Kreaturen, Verpflanzungen, Schneisen. Der Wald ist groß, er braucht den Platz.
Es ging Kehricht hier verloren, manch Tür auch, manches Rad. Manch Herz auch, tief in den Rinden. Verwachsen sind sie mit der grünen Gunst. Vergessen sind sie, dann verhüllt; ihr Nutzen nun unmerklich.
Einst sterb' ich hier, mit allen Bildern. Trag' jedes Wesen, jedes. Ich trage Wärme, letzte Echos. Nur Steine überleben.