21. April 2015

silenzio

Ich schneide aus. Ich messe ab. Schreibe auf. Gehe trab. 
Ich bücke mich. Ich strecke mich. Mess' wieder ab. Vermesse mich.
Ich nähre mich. Halte ein. Halte inne. Rauche. Aus.
Ich höre hin, ich lenk mich ab. Mache Licht. Ich setze mich.
Ich rücke ran, ich decke ab. Ich decke auf. Entleere mich.

Ich verliere. Gebe aus. Ich warte. Und ich geh nicht raus. 
Ich bin zu schnell. Ich denke dran. Ich wasche mich. Ich ziehe an.
Ich höre hin. Ich seh zu dir. Ich deck mich zu. Ich frier.
Ich dreh mich um. Ich denke nach. Ich schätze ein und rechne nach.

Ich wünsch mir nichts. Ich bleibe hier. Ich fass mich an. Seh nicht zu dir.
Ich steige hoch. Ich trage was. Ich steige ab. Ich habe Spaß.
Ich werde wieder. Ziehe los. Ich spiegle mich. Ich zittre bloß.
Ich drehe ab. Ich trinke aus. Ich brech nicht ab. Ich schneid was raus.


3. Oktober 2014

fall ab, schmerz

Durch die feuchten Schenkel gepresst, mit borstigen Haaren, ganz wie ein Krüppel in seiner Form, hält er fest an seinem eigenen Schwanze um nicht zu fallen, das kann er gut. Er ist taub und blind, sprechen muss er nicht, hält sich tagelang in seinem Blute und reißt die Dämme mir entzwei. Scheut sich nicht an seinem Bilde, er ist hungrig, das soll ich wissen.

Die scharfen Nägel an seinen Klauen erklimmen mit Leichtigkeit meinen Darm. Ist er angekommen am rechten Platze, so zerstört er ihn. Magensäure trinkt er, weil's ihm nicht schadet, niemals tut's. Tanzt traute Reigen mit Bazillen; Windet sich um Wülste im Schleim, er ist taub und kann mich nicht hören.

Er ist zu groß für meinen Mund, selbst wenn ich mir den Kiefer bräche. Sein stummes Lallen stellt alles still. Erbrechen kann ich nur mich selbst. 

Durch den harten Kern, im Herzen, tritt er durch, als wär es Grieß. Kappt alle Leitungen zu meinem Hirn, es gefällt ihm gut, dies rhythmische Zucken.

Sowie er mir im Rachen steht, ganz aufgebäumt von seinem Glück, lernt er laufen und reißen, schmeißen und ziehen. Er kitzelt mich und dann schlägt er zu. Sitzt auf der Zunge mir, schwer ist er. Papa, ruft er, sein einziges Wort.

Am Morgen dann, unendliche Geschichte, liegt er saugend in meinem Arm. Eingerollt in einer weißen Decke, ist mir vor Mutterglück ganz warm.

5. September 2014

der hohle stein

Aus ihm ein dumpfes Raunen tritt
aus der Unterseite Blut
Festgenagelt an seinem Platze
ist außen kalt und innen Glut

Spröde seine Ecken auch
Seine Form ist unnormal
Scheint tragbar leicht für jede Hand
Kennt sein Gewicht doch keine Zahl

Zwischen feuchtem Moose liegt er
Kein Tageslicht hat er gesehen
Sein tiefster Wunsch scheint mir erraten
mit Füßen von hier fortzugehen.

3. September 2014

und wie nun, was glaubst du

nach dem regen, stimmengeschmetter
lies die pfadspur, wie es spricht
an rehen entlang und verletzten kitzen
laue nacht im spätnovember -
unten feucht und ringsum schwarz.

bewegung. überall und nirgends immer
geflüster, rauschen, farbmodule,
kreuze aus silberstreifen am kargen himmel
gemalt sei ein keil
zwischen allem was zweiseitig ist.

asymmetrisch ausgenommen,
liegt herztartar noch zum verzehr
bemoost die stelle, auf der wir flanierten
geheul und geröhr' und erbgut
drei birken, zwei erlen, eine stunde entlang.

worte, lies in zweiter ebene immer,
wieviel mal willst du noch gehen
lieder, meiner vielen schwestern, sprache
bauchseits ists offen
schmerzen sind schall.

1. August 2014

herbstöd

tausend kanonen und doch kein gewehr
du sprichst von besiegen und kämpfst garnicht mehr
es ist zeit mein freund, wir fliehen zu lahm
ich trete das rad rund, mein tier ist zahm
das korn ist geerntet, das wasser geschöpft
mein hirn ist hart. feinsauber geköpft.

implantierte herzen, ein paar stück an der zahl
hier und dort eine naht, der kopf ist kahl
der boden ist geebbt, wir treten auf watt,
herzen sind ersetzbar in unserer schwarzen stadt 
bleib treu, sei unabdingbar und lecke mein blut
zünde die lunte, dann wird alles gut.

11. März 2014

wie sie lag, so schlief sie oder starb

Sie lag auf dem Boden, als ich kam. Sie hatte sich auf den Holzboden gelegt und schlief oder starb, es sah zumindest friedlich aus und still. Bis zum mittleren Rücken reichte ihr Haar, ein paar Strähnen hingen am Stoff, klebten am leicht verschwitzten Oberteil, durch das sich ihre Wirbelsäule zu kleinen spitzen Bergen zeichnete. Ich hab sie nicht gezählt. Goldbraun schimmerten, und grau fast, die Strähnen, sträubten sich trocken am Haaransatz. Ich sah ihre Beine, ein schenkliges Dreieck, schattengebend erweiterte sich das geometrische Muster auf dem Boden. Liebes, sprach ich mit gleichgültiger Stimme. Es ist Sonntag, fast vorüber.

Ich bin eigentlich eingebrochen. Hatte nicht gefragt und keine Tüte dabei oder Ähnliches mit Gebäck. Ich hatte keine Zeit auch eigentlich. Stand nur im Rahmen der unverschlossenen Tür und verlas ihre Schönheit. Ich pflückte ihre Ansicht, ihre gesichtslose Blüte. Betrachtete das Gemälde aus Lage und Haut, es fehlte ein wenig Schmutz darin und Schwärze.

Zu ihren Füßen stand ein Glas Milch mit Haut und einer Spur von Unterlippe. Sie schrieb mal, dass sie zu Abend trank, zu jedem Glas Rum, den sie liebte. Liebes, ich kannte sie nicht einmal, wollte sie verabschieden und nun lag sie sprachlos dort allein und friedlich. 
Lebst du denn noch, meine Stimme erzürnte. Ich gab der letzten Silbe ein Krächzen. Mein Kopf, automatisch, verneinte ihr Schweigen, schüttelte verlangsamt in den Boden. Eine Brust hing frei, ich beugte mich vor, sodass ich sie sehen konnte, hing sie dort ohne hässlich zu sein. Wie ihre Finger auch, die eine Hand nah am Kopf gelegen, schmal und kantig, lagen gefächert die Gelenke aufeinander. Ich gehe wieder, sprach ich, es sollte letzte Drohung sein und gewiss. 
Dann trat ich vor, erst schnell, dann schleichend. Wollte ihr Haar anfassen und ihre blassen Lippen. Als stünde weißer Nebel über ihr, der mich lockte und verzehrte, riss ich das Dreieck ihr auf und drehte sie. Ihre Ellenbogen knallten, es klang lauter als es war, weil es leer stand, das Zimmer. Ihr Atem roch, Ich gehe wieder, roch aber nicht schlimm und nicht bitter als sie das sprach. Warm und süß lag es auf ihrer Zunge. Lebst du denn noch, fragte sie und sah immer noch aus, als ob sie schlief. Die letzte Silbe saß mir mit ihrem Knarzen im Ohr. 

Ich taumele, mir wird erbärmlich. Will mich legen, meinen Kopf, ich sinke ab. Bin durstig, ein Glas Milch jetzt, ein warmes. 
Sie verschwimmt mit ihrem Antlitz, sie schaut bitter, ausdruckslos. Über mir steht sie, wir haben gedreht, so dicht steht sie über mir als ob sie mich küsste. Ihre Haaresspitzen berühren mich, als sie mich auf die Seite legt. Schwarz und bunt vor Augen ist mir zugleich.
Kalt. Nichts als kalt bin ich und müde. Ich falle nicht, ich bin stabil doch steif, höre meine Gelenke knacken. Im Boden ein leichtes Knarren, zielt es durch die Dielen in mein Ohr, als stünde jemand und starrte. Liebes, ruft es. Ich kann die Stimme nicht entwirren. Es schallt und röhrt und ich scheine im Grund zu verwachsen, ich klebe, bin feucht, ich versage. Liebes, ich kann es ein letztes Mal hören. Als ginge jemand oder käme.

19. Februar 2014

unscharf

Und ich mag deine dummen Hände, dann tanzen sie für mich. In unzumutbaren Versen zeichnen sie deine Sprache in die Luft. Da sitze ich in ihr, fühl mich losgelöst von Stuhl und Boden, höre nicht zu und disfunktioniere. Diesen Perlwein zwischen den harten Beinen, die Kleider verteilt zwischen Fleisch und Haut. Ich grinse in die harte Wolle, weil Aaron Lewis vom Sterben singt. Ich habe dir nicht zugehört, dein Körper weilt an der passenden Stelle, du passt ins Bild, weil ich nicht.
Mein Ausdruck hat Stahlkappen, ich reagiere, als kannte ich es nicht. Und stillgelegte Gläser füllen und leeren sich, wir benutzen unsere zehn Münder und fünf Hände um uns nicht zu berühren. 
Ich verliere den Bezug, meine Wäsche ist feucht. Ich habe Platzwunden und Cashewkerne, einen tierischen Nebel. Geklärt und verglichen, an den gelben zwei Fingern habe ich unsere Zeit gezählt. Ich lasse mich aus, mich brauchst du nicht einpassen. Wir haben ohnehin keine Zeit. 
Weil wir kein Licht machen, bin ich nur Farbe, bin ich unscharfes Grau in einem Scherenschnitt. Wenn du mich jetzt tötest, hört es niemand. 

Neulich, als wir verschütt gingen, wir sind besessen von der Wahrheit und ich mische dich immer noch mit dem alten Rost meiner Liebe, haben wir Memory mit Geisteskranken gespielt. Ich saß an imaginärem Klavier, und spielte Geige dazu. Mit beiden Füßen hing ich in der Luft und trat dein Publikum, deine Gunst und seinen Bruder. Ich erklärte, wie schön deine Hände sind, aber nichts sonst, weil ich dann still war und ich ging und ich vergaß. Unser Spiel ist kaputt. Da sind nur zwei verschiedene Karten und sonst nichts.
Nichts ist momentan, auch nicht permanent oder gelogen. Ich trinke, du verschwimmst, klingst leer wenn du mich ansiehst. 
Da sitzen wir weiter, wieder. Blicken unscharf in unsere Betten. Schmerz gibt es nicht mehr, der warme Sand, auf dem wir nackt und schreiend liegen, saugt das Blut und stopft die Münder. Die Lungen sind bis zum Rand mit Wasser gefüllt, eine Hand frei, die andere im andern. So schreib ich einen Brief an die Heimat, - "grüß euch ..." und wie gern ich doch schwimme.

I skipped the part about love
It seemed so shallow and low.
R.E.M.