Du kannst nicht fliehen, wenn du keine Angst mehr hast. Eile nicht, du spürst doch noch meinen Atem in dir. Ich stehe direkt hinter dir. Flüstere in deinen Kopf. Schhh, dreh dich nicht um.
Zieh das Schwarz aus, denk nicht an Hunger. Lies weiter in mir. Du hast doch Haare, ich pflege sie dir. Ich reime mit dir, um deine Langeweile zu schüren. Ja, und das Feuer, das in deinen Adern brennt.
Zieh das Bein an, spür, wie ich's hebe; mich auf deinen Rücken setze und dein Trommelfell schlage. Du siehst blau manchmal durch deine tieftrüben Augen. Die Pupille schwillt, ist nie groß genug um deinen Wahn zu fassen.
Dahinter, über dir und darunter. Lies fort. Dort schleiche ich mit dir, spreize meine kahlen Beine um dich.
Du riechst mein Menschsein, meine Flüssigkeit. Meine warme, warme Lippe.
Tief in dir hab ich den Schlüssel versteckt. Ich klaue gern, du darfst nicht gehen. Hier bist du sicher, mein Kopf in deinem Bauch. Ich sage dir und ich zeige dir wer du bist. Wer du bist.
Kniegelenke, Ersatzgerippe. Alles hab ich da, dass du nicht gehst. Hast dir eine Pistole gekauft, eine Pille, drei Haselnüsse. Ich hab alles hier. Hab dir die Angst genommen.
Und
Du dachtest, du hörtest in den Bäumen Rauschen, hättest in Büchern gelesen und deinem Instinkt vertraut. Hier bin ich, sind wir. Nur ein weiteres Stück Vergangenheit. Dein Tier ist hier. Du musst es pflegen.
Ich warte nicht, verfolge dich nur. Du spiegelst dich in jedem Fenster. Jedes Wort, das du sprichst, ging durch meine Feder. Am Ende bist du erst, wenn du keine Seiten mehr hast.
Allerlei Fragen hast du, hast dir Grenzen gesteckt. Hast dich aus- und umgezogen, bist innerlich verwachsen. Hast einen Krüppel gemacht, hier schlinge ich dich, deinen Duft und deine Aura. Mein großes Maul ist Schirm um dich zu schützen.
Hier bist du, hier sind wir alle geblieben.
Wer du bist, fragst du schon seit tausend Stunden. Lässt Sätze dir formen, ein Versteck dir bauen um vor mir zu fliehen. Ich muss gar nie wieder kommen, weil ich doch immer da bin. Eile nicht, dein Schweiß ist umsonst. Ich trinke von dir, mische deine Farben. Wir haben gelacht, weil ich deine Muskeln bin. Schwarz, dann weiß. Du kannst kein Grau sehen, glaube mir. Und Horizonte. Such' sie nicht. Alles, was ich dir in die Augen setze, ist Biegung und Brechung und Rand. Du liebst mich. Denn du bist immer noch da.
Huckepack, wir gehen weiter. Du und ich, ich auf, ich in dir, hinter dir. So schleiche ich mit dir, stecke meine haarigen Zähne in dich. Du teilst meinen Kreis, meine hermetischen Venen. Meine kalte, kalte Nasenspitze trägst du einen weiteren ewigen Tag.
Und
Du dachtest, du hörtest in den Wänden Flüstern, hättest eins und eins zur Summe gemacht. Hier bist du, wir sind alle geblieben. Ich spreche zu dir, geleite dich, denn da war sie, deine Welt. Als du noch in Linien dachtest, als das Herz dir schwillte. Es gab nur das.
Du bist nicht ewig, dein Papier ist gelesen. Grammatur um Grammatur in die Hornhäute geschnitten. Schwarzer Punkt auf letztem weißen Blatt. Zur rechten liegt harter Karton.