20. April 2013

sieh nur von außen uns innen hier an

Sie starrt aus dem Winkel, in dem ihr Blick seit einer halben Stunde hängt. Sie spricht in den Raum "sind wir imagination, so könnten wir auch in die kluften springen. weich aufkommen, als lägen wir noch in des anderen haut." Sie spricht so, als spräche sie in Minuskeln, als spräche sie für sich, als wäre er, wie er so vor ihr steht, ihr eigenes inneres Echo. Und irgendwie spricht sie, als hätte es das alles schon gegeben. 
Sie ist nicht allein. Sie ist nie allein. Und er antwortet ihr und er blickt durch sie durch, weil er keinen Halt machen kann an ihrer transparenten Pergamenthaut. Seine Augen sind wie stählerne Bolzen, die sich in ihr Fleisch bohren und jedes unfeste negative Stück magnetisch anziehen. Da hält er sie und dreht sie heraus. "wir sind alles, nur nicht eins. zwei dinge fehlen uns. es bist du und ich bin es." So wendet er sich in eine letzte Drehung, zieht seine Metallstifte aus ihrem Gesicht und dem Leib und hält mit seinen Fingern die Wunden. 

Es ist schön, wie die Mittnachtmondstrahlen durch die Häute blenden, wie sie die Organe, alles Innere, auf den Wänden schattieren. Ineinanderkopierte Farben, weiß und blau und viele schwarze Schatten dekorieren die Körper. Sie sind nackt hier immer, stören sich nicht an den Blicken, denn sie sind allein wenn sie hier nicht wären. Sie sind hier und die Wände sind da. Die weißen. Drei Meter hoch vielleicht. Sie halten zusammen, bilden acht Ecken und so stehen sie da, und er und sie stehen lose dazwischen. Sie halten sich nicht fest, weil sie sonst fallen würden.
Keine Faser könnte den Geruch festhalten, der sich zwischen ihre Stimmen legt. Einer muss gehen sonst sind beide der Nacht über. Das Blut wird ihnen vom Mond angezogen, durch den Mund inhalieren sie das Herz. Still nippen sie durstig an Wunden. "es regnet unbemerkt." Sagt er. 
Sie zittert. 

Die Augen lassen sich nicht schließen. Schwer sind sie doch immer bei Nacht. Man könnte schlafen oder sich einfach nur legen, bräuchte nicht einmal die Augen schließen. Um zu hören, was hinter den Worten steht, was die Wände an Feuchtigkeit halten. Und wie sie triefen innerlich.
Verlegene Fußtritte ins Leere, kein Schritt und kein Gang. Die Beine kribbeln an der hinteren Wade, der linke Fuß ist fast taub. Sie blickt mal auf mal ab. "wenn es den raum gibt mit dem ausweg, will ich raus mir ein loch bohren" Sagt sie und er sagt "sieh nur von außen hinein. sieh hin, wie es verstopft, wenn andre ihn finden. sieh, wie du sperrst in deiner apathie"
Sie nickt.
Er zittert. Zieht den Tropfen Speichel zurück. Wir sollten gehen, hängt in der Luft. Niemand spricht es aus, weil sie es atmen.
Und Stillstehen schnürt den Atem ab. Im Stillstand sieht man die Gehfehler genau. "vorbei". Sagt man sich hier immer, nie. Das Hamsterrad fährt weiter. Es ist alles normal. Sieh, es ist alles normal.