Es ist fünf Uhr früh, die tauben Augen, Kruste klebt am Nasenbein. Wart' ich hier, im Regen, es gewittert, ich liebe das, wenn ich alleine steh'.
Ich warte hier, zwei Busse kamen, stieg gar niemand aus, es ist Grenzgebiet. Glasig kantige Tropfen, meine Haut ist Neopren. Ich sehe dunkel aus im Morgengrau.
Es schimmert fern am Horizont, ein paar Vögel fliegen als schwarze Bögen, ganz wie von Kinderhand gemalt. Ich friere zwischen Kinn und Schlüsselbein, dort ist die Haut stoffunbedeckt. Im Rachen kratzt es Schafeswolle, ich habe Durst nach süßem Tee. Eine Karte hab ich, geschrieben hab' ich in Versalien, ganz. Laut rufen wollt' ich, sprachlos bin ich seit ich gesunden will.
Es schlägt sechs Uhr, ich kam verfrüht. Emetika wollt' mich besuchen. Die große Kirche mir im schrägen Gegenüber, strahlt bordeaux nun, nicht mehr braun. Ich hielt hier und halte immer noch, ich halte eine Karte, gefaltet, eine Angst im Gepäck. Ich sah sie noch nie,- sie sei eine Freundin der Mutter, solle mich treffen hier, es täte mir gut.
Ich habe nicht viel, nicht einmal die Zeit um woanders zu warten. Ich stehe mich fest, mein Rücken biegt fünfminütlich, Spannung in der Mitte, ich werd' sie nicht los.
Ich traue mich nicht zu verschwinden, hab' ich doch immer gewartet wenn man mich bat. Eine Freundin ist mir, ich gestehe, zu viel. Kann sie nicht halten, sei sie auch treu. Gut?- ich hörte nicht viel von ihr, ob sie gut oder ob sie anders sei.
Auch weiß ich nicht, seitdem ich überlege, warum ich hier warte, habe ja nicht mal einen Termin. Interesse, sagte man mir, sie würde kommen, wenn man sich ein wenig zwänge.
Ich aß noch nicht, ist noch früh, ein ganzer Tag noch. Zeit. Das macht mir Angst, täglich muss ich sagen, es macht mir Angst so früh im Tag zu sein. Hunger, den habe ich nicht; links von der Kirche, dort riecht es frischgebacken.
Die Welt wird bunt, wird laut auch, verstörend. Auch der Regen hält inne, die Wolken entleert; säß' ich so gerne in ihnen und spürte es.
Ich kann nichts empfangen, keine Ahnung, auch keine Botschaft. Es ist, als ob mich das Sinnlose hielt, wollt' ich doch gar nicht treffen die mir fremde, unheimliche Frau.
Faszinierend auch, wie sie, nichtsahnend, mich steuert. Kennst du meinen Infantilismus, sprachst du schon bei Kaffee und Kuchen, dich amüsierend mit Mutter, Emetika?
Laufen möcht' ich, und wenn es nur zum Gegenüber ist. Etwas Stärken nur, ich fühl' mich so schwach. Da hält mich der Termin, nagelkauend.
Es lichtet sich, Menschen verschwinden vermehrt, ebenso der restliche Verkehr. Wie spät mag es sein, die Sonne, sieh nur, sie geht unter. Ich mache mich auf, verlasse meinen Platz, nun sieht man mich gehen.
An einer Kreuzung halte ich, der Gehweg ist frei. Ein Geschäft, gleichwohl welcher Art, ich bin sehr hungrig, bin froh über Dunkelheit. Mir ist wohl, so geh' ich nach Haus. Ein paar Tropfen kann ich erhaschen, mein blasses Gesicht saugt wohl auf die allerersten dieser Nacht.
Ich aß die Stunden, die mir an Leben fehlten. Vierzehn ganze, die ich im Nirgendwo stand. Fraß ich sie doppelt, die gestohlene Zeit. Kirchenglockenschaumberge, darin Nüsse aus Wut; im traurigsüßen Mantel drei Tafeln Unbeschriebenheit. Geliert gefangene Angst, kandierte Motorik; sind nun Zähne die Beine, die zu schwach sind zu rennen.
Des Gepäcks entleert, der Haut reingewaschen. Vergaß ich Emetika.
Nun bin ich bei mir.