4. Juni 2012

meta16:9

Wie die Beine wacklig stehen, storchengleich, ein blutrotes Schienbein. Auf einem Stock sitzt sie, fragt in die Luft, heute, ist heute?
Am Ende des Kopfbildes zwei farblose Schatten, Nebel um ihre Gestalt. Am Ende des Bildes, es ist seit Wochen das selbe, tanzen zwei, allein.

Ich könnte, sagt eine, dreht sich um und dreht sich zurück. Mehr sagt sie nicht. Nebel.
Am Ende des Bildes im Herzen, es kann seit ein paar Wochen sehen, stehen sie zwei namenlos. So wie sie sichtbar sind, so verschwinden sie, Stimmen machen Angst, doch an Angst gewöhnt man sich. 
Da sitzt der Storch, fotografiert die Leere mit Knopfaugenblick. Heute, sagt jemand, auch.

Ein Feld, das keinen Boden hat, der Storch schaut im Sitzen auf seinem Stock. Sie sitzt, hat Bilder aufgenommen. Wie doch die Beine wacklig stehen. Und immer das selbe Bild und immer die selbe keine Antwort. Und zwei Fremde in der Horizontritze, Nebelkapuze und keinen Namen dabei.
Die dritte Stimme nun, sagt, es ist heute, ja. Es fliegen ein paar Vögel als Sillhouette durch die Kamera. 
Einstellung eins. Immer das selbe Bild. Nebelfeldhorizontlinen in Stimmenfremdgestalten, dem Vordergrund den Ton entnommen, im Hintergrund zwei Münder.
Seite zweiundzwanzig Drehbuch, Morgue, Wispern, sekündlich. Der Storch gekettet am verlängerten Arm. Nebel atmet G's in den Himmel. Schwarzer Ruß, stündlich, Regen.
Zwei Fremde, spricht einer, sagt Time heals, time congeals around us, endless hours of wasted moments, understanding, not demanding. Our eyes tell what you feel inside. Wozu haben sie Flügel, meint der Storch zu vernehmen, spricht die Bildmitte mit ihm, in zweierlei Stimme. 
Wie die Beine wacklig stehen, es ist sehr kalt ohne Jahreszeit, steht er sie wechselnd nur auf einem.

Die Augen haben Innenwände aus Papier. Matt, gestrichen, wasserlöslich, Farbe. Der Storch schreibt mit. Fotografiert aus dem Gedächtnis. Hinten blühen immer noch zwei schwarze, starre Rosen. Eingebettet, eingefercht. Ein Zaun aus sechzehn zu neun.
Du, mehr nicht, das war das letzte Wort. Müdigkeit. Es ist heute, ja. Sie drehen sich, die Fremden, in Richtung Nichts, nun sieht man sie fassend. Einer nur noch, schreitend, so wirkt es, haben sich die inhaltslosen Körper ineinander oder voreinander gestellt.
Warte, rief ich, als Storch nun, ich bin es.
Nichts wartet, es wartet nur das Nichts. Ruß löst sich auf zu kalten glasigen Tropfen, Schwarzvögel ruhen auf dem erdachten Gestrüpp. Die Bäume sind blattlos. Der Nebel frisst. Gestalten g'n.
Ein Krächzen oder Krähen, der Storch versucht im Singen zu Fliegen. Der einen Linie, hinten, entgegen, dahinter das Nichts, das ja, ich sagte, als einziges auf ihn wartet. Ist dann nur abgerollter Lakritz, ein Senkel aus Schnüre. Nichts weiter als eine Leinwand aus zwei großen D's. Ist doch nur ein Bild, minütlich. Immergleich, zwei Gestalten und der flügellose Flieger. Die fliegengleichen Feigen. Das geflügelte Fliehen. 
Die letzte Szene, das entscheidende Lösen. Ein Abspann aus Reverse, in Reserve zwei Augen aus vier. Das letzte Licht, der Strom gespannt. Der Storch verlässt Regie. Heute, ja. Ist heute. Stimmenlos, allein, nun bilderlos die Angst verpackt in Selbstgesang. Stille ist dem Nichts erhaben. It was you breathless and tall, I could feel my eyes turning into dust. And two strangers turning into dust. Turning into dust.