12. Mai 2012

weißraum

Am Vorhang hängen schmale Schatten, 
weiß, eigentlich der Raum
Manchmal Geflüster in den Wänden
ein Schritt, zwei
Ich liege wach


Ein Bett Windgeheul, klappert
das Gelb am Fenster
Ich sehe nicht
Nicht bewegen
alle zwei Stunden, 
schlafen Sie schon, ich liege wach


Lichtlose Blendung, dahinter
Ist ja Mond
Am Fenster hängt Alarm
Atmen will ich nur, die Luft dahinter


Wo bin ich, ein langer Gang
Und nackte Seelen
von drüben her, das Spiegelbild
dreiundzwanzig stationär, 
schleifend schleichen
zwischen blechend Geschirr,
tropfen Hähne jedes Zimmers 


Manche Augen, dreiunddreißg
Sehen nichts, nur leichten Nebel
Der Schlaf in Kapseln, im Sichel die Nacht
Oder ist Kreis, ich weiß es nicht
Licht steht wohl zur andern Seite


Gewogen die Schwere, gemessen das Wachstum
Elend zäh, in Herzschlägen getanzt
Melodie, ein bisschen nur, fehlt
wortlos bröselt ungefragt
träger Kalk im weißen Raum


Unbeweglich, Fenster, Türen
Stock zwei, eins, null
eine Tür nur trennt mich
von Hier bis Kurz Vor Dort


Schachtelgespräche, Wundersamen
Ich male einen Tag wie gestern
Immergleich mit Himmel aus Kreide
Gelbe Stifte, Mondemünder
Taubenbeine aus gebranntem Ton


Putz ist beständig, es krümelt
ein Keks, zwei Schritte, ein Gang 
riecht weiß, der Kasten Wand
Ist heute Mond? Birnen glühen
Kunstlicht hellgelb, teure Insomnie


Verrochen hier, vielleicht drei Jahreszeiten
Es gab Regen, das Glas sein Magnet
Grün riecht die Imagination, beständig
Naturtheater, flusswärts fließt Tatsächlichkeit


Ein Bett aus steril, verwachsen mit Laken
Mein Zelt, darunter Hypothesen als Licht
Uhrenblick, Schreie verklingen
Die eigenen leisen, ich liege wach


Regen, nur aus Brausen, wieder, 
draußen stünd ich, wenn ich zuhause wär
Leergewaschen, Haupthaar und Spitzen
Ein Kleid aus Grau, ich weine nicht


Montag ist wohl, Mittwoch vielleicht
Stockwerkspaziergang, eins hier, zwei
Geländegang, wartend Bewegung 
Flur links bis Flur rechts, so bleib ich wach


Maschendraht aus geduldigen Fäden
Familie ist, wer mich holt und bringt
An den Ufern, Osterglocken
Läuten acht, ich muss ins Haus
Besuch gestattet geh Versuch


Weißer Raum, so viele Farben
in ihm drin der Sinn und Zweck
entfremdet, heult es weiter 
durch Undichtritzen der Freiheitsphantasien


Kopf und Körper, wie Trennung Ei und Gelb 
Ein Sack Altstoff, ich wasche zu Haus
Grenzgebiet, Raum zu Raum
Masche zu Masche, provisorisch lebendig  


Kittelstille, Diagnosenarchäologie
Die Waage gut achten, Ichs wiegen nicht mehr viel
Bremse in Steigung, Gefälle als Schwung
Schaukelanstoß des Friedens, nächtlich
Weiß wird Grau, ein Stift hakt den Tag