5. März 2012

sind zeilen genug

Bitte sprich nicht aus, was wir denken, will es als stillen Tropfen in den Boden unter uns fallen sehen, es platzen sehen als ungeschlüpfte Begrifflichkeit. Handlich nur zwischen der Luft, die uns teilt; kann, wird niemand sehen, fassen wir unsere Luft an und umarmen den leeren Bereich, der nur Tunnelenden, Himmel und Boden, hat. Reiz berührt die Hornhäute zweier Stöcke oder Finger, die aus uns, den Bäumen, sie stehen halb verwurzelt halb vernagelt, ragen, durch das Geäst des Hirns sich schlugen, um Bewegung auszuführen. Die Linien zeige mir, mir ist, wie deine Hand auf meinem Gesicht.Die tiefen Furchen in ledriger Haut, ich spiegle mich ohne Hintergrund. Ich sagte, nimm mich - und dachte, nimm nicht die Hand, vielleicht nur die unbrauchbare linke. Lass mich, auch wenn wir im Tunnel erstickten, verlören, der Wind uns in Schneisen drückte, lass mich weiter schreiben durch deine Hand. 

Die Furchen darin hielten die Worte inne. Sagten, wir legen uns in deine Reinheit, werden flächig nun, weil wir Volumen verlieren, in Synapsen gezüchet, als Mastgedanken gedickt. Sind nun eins mit Papier, küssen Fasern, schreib mich, sagten sie. Wenn du gehst, dann bleibt mir doch alles.



Ein feines Versteck, stehen wir schattig und schmal, ich dreh mich in dir, der Tanz lässt mich blühen. Ein Gespräch will ich zeugen, brauche Worte, die sich paaren, die Zuneigung entbinden, ohne Schmerz, denn von Verständnis betäubt. Von Ohren erhalten, schwingen dort Knorpel statt Knochen, im Schallsand liegt die Muschel, filtert unbrauchbare Töne, setzt zusammen sie als Hörspiel in unsrer Sprache Fassung.



Sind Zeilen genug, frag ich mich, du wüsstest vielleicht, vielleicht hast du gezählt. Ich erzähle mir mühsam der Wörter Treppen, addiere Stufen und ihre Angst, dass sie in Überlänge fallen. Bitte denke, was wir nicht sagten. Ich schnitt golden in Bücher unser Seitenverhältnis. Am Rand verschwind ich, doch es sind das Rechts und Links gewachsen, aus serotonischen Krücken; es gäbe Weg, den Stift hätt ich mitgenommen. Kratzt Rillen in die weiße Fläche, zeichnet Volumen, deine Hand in meinem Wort. Stehst du mit mir, dazwischen Sphäre aus sterblicher Nähe und nahem Tod. Wissen wir doch, so brauchen wir nicht sagen. Liebt es sich in Schweigen schöner, hält Atem an, man hört ihn sprechen.



Oben Himmel, unten Pflaster. Vielleicht nehmen wir Kiesel mit um zurück zu finden. Die Hände, du weißt doch, wie fassen wir uns richtig, brauchen wir doch jeder selbst.
Sind Zeilen genug, um lebendig zu werden, wachsen in ihnen einst Lungen aus Inhalt? Kleine Hülsen als Häuschen, zum Schutz des Versprechens, nicht des Versagens. Vielleicht können sie die Angst besiegen, die sie bucklig in Laufweiten tragen, wenn sie einst schaffen, selbst sich blättern zu können, zu Seiten, die wir kennen, zu Kapiteln, zum Buch,- unkäuflich, lass uns lesezeichnen darin.