9. März 2012

das herz eines wanderers

Ich habe mal gesucht. Jetzt bin ich müde. Ich habe mal geweint. Weiß nicht mehr, wie das geht. Ich bin Wanderer. Ich habe kein Ziel. Weil ich immer gehen will. Stehenbleiben ist nicht Gehen.
Allein ist mein Kapitel eins. Ich habe drei davon. An der Nabelschnur hatte ich den letzten Bezug zu Menschen. Ich soll sie Mutter nennen. Manchmal fehlt sie mir.
Ich bin Wanderer. Ich habe Füße, die mich den Weg entlang tragen, weil ich nicht ans Ziel will. Da ist still. Da wird still sein.

Ich habe gesucht. Habe zwei, drei Male gefragt, jene, die so aussehen wie ich, ob sie mitkämen, man hätte ja Proviant, ein bisschen Wasser. Diese, jene Menschen, bestünden ja praktisch zu neunzig Prozent daraus.
Ich bin müde, kann nicht schlafen. Schlafen ist wie Essen. Ich brauche nicht. Ist Zwang, weil es mal in irgendeiner Zeitung stand. Man machte es so, und die Kinder auch. Ich vermisse meine Mutter. Eigentlich vermisse ich Kind zu sein.

Das Herz eines Wanderers ist begrenzt. Hat ja nur Grenzsteine als Orientierung. Findet manchmal, bleibt dort auch. Zum Schlafe, zum Ernähren. Ich ernähre mich von drei flüssigen W‘s. Sind treu. Spielen keine Spiele, in denen ich die Regeln nicht kenne. Menschen spielen wohl ganz gerne in Gesellschaft. Trinken, um jemand anderes zu sein.
Als ich das Nirvana fand, war ich entzückt, wie sehr allein sein allein lässt. Ruhe. Im Herzen, da kommt ja niemand hin. Wanderer bin ich, mit ruhelosen Beinen. Mein Herz in der Heimat. Mein Herz nur einem. Ich kenne nur einen, zwei. Menschen. Ich bin im Weg.
Ich habe gelernt, Gefühle zu schreiben. Es gibt Buchstaben mit Punkten und es gibt Enden, sagen die Menschen. Sie verlassen wohl manchmal, und manche sich ganz. Wo die Welt endet wisse wohl niemand. Ich hab ein bisschen Werkzeug um mir ein Bett in Bewegung zu bauen.
Ich lebe von Grau. Ich malte mir Himmel, denn nicht immer ist er grau. Ich wollte einfach nur wandern. Unter Himmel, grau war er schön.
Wird die Haut auch grau, von Menschen, wenn sie sterben.

Man ließ mich meist fern davon. Ich habe viele Tode gesehen.

Ich bin Wanderer. Eine Decke aus Manie hab ich. Manche Menschen, diese aus Wasser, sagten mir, man könne wohl nicht immer, wie man wolle. Man müsste, könnte, dürfte nur. Ich habe mich gelangweilt. Es waren wohl über zwei Jahrzehnte.

Ich habe auf die Uhr geschaut. Ein Wanderer hat immer eine im Gepäck. Und Gepäck hab ich nicht viel, nur schwer ist es, ein ganzes Gewicht noch dazu, das meine.
Auf dem Weg nach nirgendwo, ich sag dir, da wirst du nicht finden. Sie sagten, die Menschen, ich sei Grenzenüberschreiter, fühlte ich aber mich doch eher begrenzt zwischen zwei Polen. Kalt und warm. Da ist meine Welt. Kann mich nicht entscheiden. Will will. Ich will. Und dann bin ich still. Menschen verstehen das manchmal nicht.

Ich bin Wanderer. Ich bin im Weg. Hab zuviel vom Wenig. Man übersieht mich nicht und sieht mich nicht.
Unter der Brücke. Da schlaf ich, wenn ich falle. Müde bin ich. Das sagten sie zu mir, das sei wohl normal.
Ich bin Sucher. Ich habe mal gefunden. Bin nur glücklich, also das Gefühl glücklich gäbe es wohl, sagten sie, wäre wie Kribbeln in den Füßen, wenn ich wandere.
Ich habe gelernt. Alleinsein ist nicht menschlich. Sind wohl soziale Tiere, diese Menschen. Ich habe nur einen. Vielleicht zwei, gefunden. Gefunden hab ich. Menschen, die wandern wie ich.

Weg begleiten. Ja, da bin ich nicht allein. Parallel hat wohl etwas mit Nähe zu tun. Parallel gehen sie manchmal. Die eins, zwei Menschensorten, die ich wohl liebe, so heißt das Gefühl, sagten sie.