29. Februar 2012

hautnah

Finger, die tasten, fühlen Gefühltes, daran geleckt, liegt auf der Zunge Leben. So soll Leben schmecken, dass aus Menschen besteht. Und Menschen sind Nähe. Ich kann nicht nähern, so näh ich mich nah.

Manchmal, da nähe ich mich in fremde Haut. Mit dünnem Faden, weil kurz nur, dass nichts verletzt. Rieche den Menschen von innen, meine Naht in seinem Fleisch, riecht er viel schöner als außen. Im Brustkorb sitze ich, lausche der Uhr, wie sie schlägt und schweigt. Alles ist zart. Haut ist filligran. Schleichenden Schrittes durch Drähte und Muskel, von innen betrachten, sie streicheln mit Blick.
Licht von draußen schimmert gülden durch dich. Sag, wenn es wehtut.

Manchmal, da schlafe ich in fremder Haut. Haut ist Vorhang. Ist Nachthemd und Decke. Mag die meine nicht, würd sie abziehen, wär ich dann nicht nackt. So komm ich manchmal in fremde. Und näh mich hinein. Ich weiß, es ist nicht erlaubt.
Lass mich nur kurz riechen. Dann geh ich. Versprochen.

Manchmal, da bin ich Masche in fremder Haut. Liege ich still, ohne zu sagen. Spür, wie der Körper bewegt. Arm und Bein. Wie er kopfneigt und bodenblickt. Stimme vibriert, in tiefen Bässen, lässt Haare stehen. Ich bin darin, bis ich die Fäden trenne.
Wie hell es doch in dir ist, wenn Licht draußen ist. Will dir nicht wehtun, keine Reste von mir.

Die Nadel blutsauber soll sein, der Faden schuppenlos gezogen.
Ein Finger auf dem Einstich, dort stieg ich hinein.
Innen gefühlt, nah getastet, Nähe von innen hab ich gesehen.
Riecht noch schöner als außen, weil du darin bist. Will nicht wehtun dir, hautnah.