Wenn das Ende von allem der selbe taube Sand ist, lass mich wissen, wo hört das Ufer auf, dass ich fließen kann.
Ich sehe mich hier im Spiegel an. Das Haar ist schwarz mit Grünstich, die Haut weiß und großporig. Rote Flecke über der Lippe, dunkle Schatten unter den Augen. Ich denke daran, wie es unter diesem Kleid aussieht, ich erbreche mich in das schmutzige Handbecken, eine Frau hinter mir erschrickt. Wortlos geht sie zur Tür, ich sehe im Augenwinkel ihre Bahn zur Männertoilette. Morgen rasiere ich mir den Kopf.
Noch drei Das mit Cola und dann gehe ich. Ich habe mir Löcher in die Hose geschnitten. Durch die Beine atme ich verbrauchte Luft. Metallische Schläge in mein Trommelfell verlangsamen das Denken, jeder imaginäre Satzpunkt endet im Beckenton. Ich rauche ohne Boden, ich trinke ohne Filter. Seltsam, diese Menschengeräusche. Ich zeichne mir ihr Reden als gekauten Gummi, Speichelfäden sind ihr Schweigen. Keine Sekunde ist ohne Schweigen. Doch es ist genug Speichel in meinem Bild. Ich habe Durst danach.Ich niese in meine Hand. Es blutet seit Tagen in meine Hand. Blut ist schön, wenn es die Lippen entlang läuft, es geniert auch nicht so sehr, als wäre es Rotze. Ich baue mir runde Schlösser mit weißem Rauch. Neblig versinkt ein jedes fensterlos in der Deckenlampe. Ein Teil sagt, stirb. Der andere lacht. Es glitzert draußen, ich sitze am Fenster. Kleine Feen spielen in den Gehwegritzen. Ich vermisse meine Mutter. Da, eine viertel Sekunde Schweigen. Ich habe verträumt. Ich kann nicht mehr.Dann tritt er an mich heran, zeigt nur und spricht nicht mehr. Ich nicke in seinen Hals. Wir sprechen dieselbe andere Sprache. Zwei Minuten, der Countdown läuft. Dann werde ich rennen, ich weiß noch wo ich bin. Ich beginne mit mir selbst zu reden, wir schwiegen schon den ganzen Tag. Wir müssen noch Wogen glätten, dass wir diesen Körper stilllegen und schlafen gehen können. Ich bereue bereits das erste Wort, mein Gegenüber lacht mich aus. Ich habe schon wieder etwas falsches gesagt. Sieh mich nicht an, sage ich zu mir. Ich habe nur dich.Ein Bein geht voran. Ich hinterher. Ein Schritt ist eine Sekunde. Willst du mir sagen, was dir fehlt? Ich kann nicht mehr weinen. Die Lichter werden weniger in dieser Straße. Es muss schon spät sein, bei so viel Dunkelheit.Ich sehe umgedrehte Stühle auf Tischen, wie soll man sich setzen auf diese. Im Vorbeigehen ist es wie ein Film, ich kann die Szenenlängen bestimmen. Durch meine Unsichtbarkeit bin ich Kameramann. Jede Aufnahme brennt sich ein, bis morgen vielleicht, dann gibt es neue Bilder.Wie können andere behandeln, was ich nicht handeln kann. Die Hände sind ja abgetrennt. Vom Körper abgelehnt, was zu weit weg vom Herzen. Zuhause ist noch weit weg, da steht nur mein Name. Von weit her riechen kann man es, riecht so sehr nach verbranntem Fleisch. Ich besuche mich nur, ist nicht mein Haus. Und ich kann doch nicht gehen, weil es kalt draußen ist. Drinnen zwei Grad wärmer, und wärmer noch mit glühendem Rachen. Gespült das Getriebe. Mein Kopf tut weh. Die Schienen spannen, ich spüre jeden Gleisschlag, erinnre mich an Herzschlag. Ich kann nicht mehr lieben. Das was hier ist.
Ich trete in die Tür wie ein Elefant. Ich trete Staub kaputt, erschrecke Milben. Ich zwinge mich am Spiegel vorbei, häute mich schlangengleich aus den Sachen. Ich muss mich reinwaschen, ich vermisse Chlor. Ich lege meine Haut auf die Fliesen ab. Der Rohkörper wird heiß gewaschen. Das Herz kocht. Das Hirn wird trübe, verliert Sehkraft. Draußen ist Sturm, in mir entzieht sich das Wasser. Ebbe ist bereit den Menschen Angst zu machen. Vollkommene Stille ist niemals zaghaft. Sind wir doch gewaltsam irritiert wenn nichts mehr ist. Die Beine schmerzen, es sind beide. Parallel, wie sie geboren sind. Ich jage die Katze mit dem Besen. Es macht mir Spaß zu sehen, wenn sie nicht mehr weiß,wo zu verstecken. Wenn ich fauche läuft mir Speichel aus dem Mund. Diese Katze soll einfach verschwinden.
Ich fühle mich schmutzig, währrend ich denke umarmt zu werden. Imaginäre Arme können mich nicht zerdrücken. Ich setze mich unter den Küchentisch. Die Füße sind so kalt. Ein Bein zittert, will treten. Was gibt es noch? Ein paar Nahrungsmittel sind da, diese Katze. Alles andere ist verkauft. Es ist zu viel zu wenig. Bist du noch böse? Die runden Augen sehen mich an. Langsam treten vier Beine an mich. Ich rühre mich nicht, ich bin doch hässlich. Wie spät ist es? Ich habe Angst nocheinmal aufzustehen.Ich bin böse. Ich möchte lieb sein. Es ist gar nicht das Bein. Es sind die Arme. Die schlagen in die Luft, wedeln im Wasser. Sie kochen Wasser auf. Für die Wärme zum Beispiel. Und dann reißen sie das Fenster auf und man weiß nie was sie dann machen. Sind ja so weit weg vom Hirn. Sie schlagen Sahne mit dem Speichel. Und prügeln Nähe auf Distanz. Ja, und dann meckern sie, die Beine. Müssen mitgehen, überall mitgehen.
Ich sehe mich hier im Spiegel an. Das Haar ist braun mit Gelbstich, die Haut rosa und feucht. Weiße Risse in der Lippe, graue Schatten unter den Augen. Das Kleid ist aus. Ich sehe nackte Beine. Eine Pflanze hab ich noch. Abgekaut, die Blätter. Nun sprießt sie immernoch. Ich hab sie nie gegossen. Morgen muss ich gießen. Ich will das nicht vergessen. Morgen nochmal. Ein bisschen mit mir gehen. Erstmal ein Bein. Das andere noch nicht.