22. November 2011

körper

Weißt du noch, die Zeit, erzählt so viele alte Geschichten, waren wir noch nicht am Leben, wo sie anfing zu erzählen, begannen mittendrin.
Weißt du, die Töne, sie halten ganze Körper inne, wie groß sie doch sein können, wenn man sich selbst im anderen hört. Im Bauch, da wo die Atmung singt, im Spiegel des Speichels das Ungesprochene sieht. Wachsen Begriffe dort immer, wo es wehtut, als hätte man Messer benutzt um Gefühl zu formen.

Als Erdlinge fing an zu blühen, wo längst heute niemand mehr giessen kann, ist alles unterirdrisch, in Schläuchen, man nennt sie Adern; des Blutes Boten, zentral will es fließen, da wo jeder Zweifel beginnt, beginnen die Röhren zu kalken.
Innen ist Macht wie Losigkeit, im Arm, in der Beuge alles Guten, da sind so viele Momente. Kleiden können wir uns, geben uns die Wärme anderer Stoffe. Ein langes Stück des Selbst fehlt, um zwei daraus zu nähen. Da sind die Haare, Garn des müden Kopfes. Verknüpfen können sie sich, gebettet im Lager des bipolaren Schlafs.

Weißt du noch, Anfang, wo immer gebährt was gestorben ist; in der Brust ein freies Feld mit dem Donner des ersten Schlags. Bricht aus der Betrieb mit all seiner Funktion.
Finger, die Antennen des liebenden Blinden, Sprachschriftversuche in Morse zu gebährden. Im Antlitz die Fenster und Regenrinnen, Abflüsse und Zuflüsse des eigenen Verschlusses. Geharkt all die Beete, mit Angstlaub verherbstet. In die Wolle des Nichtstun eingerollt, die Haare des Schlafs, des andern Reste gegessen, man schrieb schon so viel in Büchern davon.
Weißt du noch, der Kopf, das eigene Zimmer, mit Stühlen zum Setzen und Rolltreppen zum Fahren und Freifeld zum Rennen. Da sind Klammern, die den Boden mit den Füßen verhaken, auch Hunger ensteht und Sucht im Kopf.
An der Spitze der Mund, sitzt so weit von den Füßen weg, der eine spricht die Sprache des anderen nicht. Lippen als Unterkunft, da können Worte rasten, sie können entfliehen oder zärtlich greifen, gewaltvoll nie, da sie wortlos Sehnsucht sprechen. Ziehen Heimweh in den Körper, den eigenen fremden.
Über allem steht Atmung, über allem steht Herz, über allem steht Todesangst.