8. Oktober 2011

ja, immer regen

Es ist immer anders und es ist immer gleich, höre ich mich zwischenzeitlich sagen. Ich höre ihr zu, es ist meine Aufgabe zuzuhören. Nicken dazu, minütlich hinterfragen, parallel abgestimmt Satzsplitter wiederholen. Ihr blondes Haar ist länger geworden, um ihre schmale Taille eine Decke. Manchmal möchte ich tauschen, ihr kurz was abnehmen.

Ich vertrage mehr als sie. Ich vertrage immer mehr. Sie sagten mir, mir fehlen Enzyme. Resultierend vertrage ich Rosenkohl nicht. Und Bier. Wein zwänge ich hinunter. Besonders den trockenen, den sie immer trinkt.Ein Rattanzweig bohrt sich in meinen Oberschenkel. Ich drücke mich in Fötusstellung in den Gebärmutterstuhl. Mir fehlt eine Decke, ich hab sie ihr gegeben. Hundehaare stechen mehr als das der Katzen. Diese müssen auch viel mehr aalig sein um sich aus meiner nähesuchenden Bedrängung zu entfliehen.

Wir sprechen nicht über Regen und was es Neues gibt. Ich rede von der Arbeit nach ihr. Ich will nur kurz dran sein, sprechen kann ich nur im Dämmerzustand. Ich rede von Begebenheiten. Von Tagen der Beobachtungen, Hypothesen, wiederholenden Inkarnationen. Von Süchten und Endungen, Gesuchen und Wendungen.Zwischen zwei Partnerteilen zu stehen hat mir nie etwas ausgemacht. Ich schlucke Hustensaft und Abführpillen. An jedem Morgen schwimmt Inneres am Beckenrand. Ich würde schreiben, hätte ich Stift und Zettel dabei. Sie müssen alle damit leben, dass ich abtreibe vom Geschehen, um mir selbst Aufmerksamkeit zu geben. Ein gefühltes Leben lief nach Gebrauchsanleitung anderer, nun bin ich hier, liebe die Einheit unserer gleichrangigen Stimmen. Wir haben uns lange nicht gesehen.In meinem Kopf werden die Stühle leer. Der Saal von neun Quadratmetern kehrt sich selbst zur Nacht. Dann kommt die Sehnsucht nicht aufzustehen, einfach sitzenzubleiben und von Liebe zu erzählen.Der Garten wird kaum genutzt werden, ist es doch ihr erstes Jahr mit Garten. Heute ist es zu kalt um draußen zu sitzen. Gegen Regen haben wir beide nichts. K. ruft an, sie haben seit Tagen nicht geredet. Mein Platz ist nun fehl, ich denke, ich muss gehen. Ohne dass sie etwas sagt packe ich mich zusammen, verschütte im Aufstehen ein verflüssigtes Glas. Trennwege gehen sie zum zehnten Mal. Ich bemühe mich ehrlich zu nicken, als sie von Endgültigkeit spricht.

Auf dem Tisch zwei Porzellanfiguren, Salz und Pfeffer. Liebe und Hass. Meine Tasche ist kaputt, der Schlüssel bohrt sich durch die Leinenecke. Einen Schlüssel brauche ich gar nicht, man kann mich öffnen. Manchmal möchte ich mit ihr schlafen, nur um zu sehen wie es ist der eigenen Anatomie nah zu sein. Morgen gibt es vielleicht wieder Regen, ich ziehe die durchnässten Stiefel über, bin müde, das sage ich auch.
Im Schatten der Tür denke ich plötzlich an Einbruch. Eine eingerissene Holztür kann doch nicht vor Welt schützen. Und dazu Hausschlüssel in fremden Schubladen. Die Verabschiedung wie immer, der Heimweg auch. Die selben ausgehenden Einuhrlichter, nur ich bin Spätgeher, ohne Plan zu Morgen.
Zwischen dreihundert Flaschen überfälligem Glasgut der eigene Gestank. Waschmittel, Periode, Asche, Teebeutel. Es ist mehr das Nein als das Sein. Einen Moment noch, dann leises Rascheln durch das Ahorn-, Eichen,-oder Kastaniengestrüpp. Kleine Markierungen an der Fensterscheibe, flüstern, ich regne jetzt. Der Abschluss taube Onanie, wie sie sich selbst langweilt an mir. Dann das Summen des Telefons, sie gibt Nachricht „Wir versuchen es nochmal“.