Diese Geschichte hat keinen Anfang und kein Ende. Sie beginnt mit einem unbedeutendem Atemzug, der verblasst in einem rauen Seufzen.
Als ich an jenem Sonntagmorgen auf die graue Straße gehe, die sich drei Meter vor mir kreuzt, sehe ich, dass sich das Leben, das ich auf der Erde führe, in staubige Stürme hüllt. Grau in grau gekleidet bilden sich leere Sprech- und Denkblasen über den wankenden Körpern. Ich falle nicht auf in der Masse. Falle hinein, falle hinaus. Wir alle sind mehr und minder starke Wellen, einerlei beim An-und Abstieg. Wir vermischen uns zu einem Pot, verschmelzen unser aller Dasein. Das finale Geräusch aus unseren vielen Geräuschen erinnert ebenfalls an das undefinierbare Rauschen einer tiefen windigen See. Der Inhalt ebenfalls leer und schwarz.
Ich bin verliebt. Das ist der Grund, dass ich das Haus verlasse.Unsere Stadt führt Krieg seit dreizehn Wochen. Mir ist, als wäre es ein Jahr. Die Leute kaufen keine Wurst mehr von Leuten, die aussehen wie Antagonisten. Niemand sagt Feind. Auf dem Marktplatz veranstalten sie Märsche, in Gruppen gesammelt protestieren sie, niemand gegen Hunger, Essen gibt es hier genug. Ich beteilige mich nicht, gehe nur vorbei weil heute Sonntag ist, ich zum Ufer gehe und Leichen zähle, mit dem Mädchen, das ich liebe.Sie zieht mit ihren Handschuhen Vogel für Vogel heraus. Einem kleinen See, der sich Friedefluss nennt. Das Öl ist weit getreten. Ich murmele. Sie blickt nicht auf. Verzweifelte Falten in ihrer frontal gestellten Stirn bestätigen die Wertlosigkeit meiner Aussage. Ich fühle mich gering, dazu nichts weiter. Einfach gering, das ist mein Gefühl und mein Zustand. Ich stehe nur daneben, wie jeden Sonntag seit dreizehn Wochen, und versuche ihre Arbeit zu teilen, zu helfen, interessiert zu sein. Das wirklich wahre Leben ist es, hier zu stehen und zuzusehen.
Ich entdecke das Rauschen wieder, das diesmal nur von echten Wellen kommt. Dicke braune Wellen, vor denen sie sich mit Handschuhen schützen muss. Im Hintergrund einige Protestanten, die, ohne Gottkulisse. Mit Schildern bemalt schreien sie in den See. Sie beschreien nur die einzelne schmale Linie, wo das Schwarze aufhört und das Blaue beginnt. Und wieder falle ich nicht auf, weil ich in dieselbe Richtung blicke. Mein Hut verdeckt die Verlegenheit.Es ist nach drei, die Sonne blendet nicht mehr, niemand will sehen wie schön das Öl glitzern kann. Weil das Öl von den Großvätern kommt, essen sie die Wurst der Enkel nicht mehr. Und drüben wohnten sie vor hundert Jahren. Das ist lange her, aber das ist wohl der Grund für diesen Krieg.
Das Mädchen ist müde, ich kann sie nicht erheitern. Sie bemerkt mein Verhalten nicht und meine Anwesenheit.
Bin ich doch froh, dass ich müßig bin. Kein Wort kann ihr beschreiben wie unentbehrlich sie ist. Sie ist zart, ich fühle mich gering. Behindert fühle ich mich. Jeden Sonntag. Abschreckend gering.
Und so wird es acht, sie, in den graugrünen Sachen, packen ihr Geschirr und Papier zusammen. Zwei Vögel trägt sie, kopfüber, vielleicht wie Gänse so lang.
Das Ufer ist meines jetzt allein, nun rot an der Friedung; ich stählern im Zorn. Nie sehe ich mich um, wenn sie gehen, höre nur das Pneu im Sand.
Ich möchte gehen und kann nur stehen. Niemals umdrehen kann ich mich, dann sieht sie, dass ich mich nicht für ihre Arbeit interessiere.
Drüben war ich sehr lange nicht mehr. Man sagt nun viel Schlechtes. Gepäck nähmen sie einem oder das ortfremde Geld; könnten nicht mal Handel machen damit. Schlimm wäre es dort, sagen sie hier. Und krank, sagen sie dort. Ich weiß gar nicht, was was ist, was hier ist und dort. Ich weiß, sie kommt sicher, jeden Sonntag, da warte ich schon eine Stunde hier. Ich schäme mich für mich, nicht einen Vogel zog ich je hinaus.Wie pervers sie mich fände, wenn ich spräche, wenn sie wüsste, wenn ich wünschte, der Krieg hielte und das Öl bliebe.
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