2. Februar 2011

flecken

Ich rieche an den letzten Überbleibseln von dir. Du bist präsent wie der Staub in den Ecken, feine Flocken, die ich ab und an einatme. Ich habe mich wieder geschnitten. Ich habe Gurken geschnitten und habe sie absichtlich verfehlt. Ich musste viel weniger Kraft aufwenden als für das wässrige grüne Fleisch. Nun liege ich quer in der schmalen Küche und es tut mir weh. Seit zwei Stunden liege ich hier. Von hier unten ergeben sich ganz neue Sichtwinkel. Unter dem Tisch kleben drei graue Kaugummis. Sie waren wahrscheinlich einmal glänzend weiß.
Mein Kopf liegt im Dreck. Zigarettenstummel und Asche. Verfehlte Mülleimerversuche. Es riecht nach Schimmel unter der Spüle. Es rostet unter dem Ofen. Ich finde eine verbogene Gabel. Ich lecke an ihr, dass ich den Eisengeschmack des Blutes loswerde. Die Zinken umspielen meine geschwollene Zunge.
Ich rieche am Boden, altes Parkett. Riesige Lücken zwischen einzelnen Dielen. Alle Essensreste, die jemals vom Tisch gefallen sind, verenden hier. In der fugenlosen Lücke zum Untermieter. Ich rieche deinen Gang. Mein langes Haar liegt nun dort, wo deine Füße sonst stehen. Ich weiche es ein in den Flecken deiner Anwesenheit. Will sie spüren, will mich erregen. Und mein Unterleib fängt Blut, als ich mich berühre; meine Arme sind wund, macht mich warm und feucht. Und es schmerzt nicht mal mehr in jener Dimension. Ich komme. Und kehre zurück in die Vertikale. Der Eisengeschmack berührt meinen Gaumen. Es liegen geschnittene Gurken bereit. Ich rufe dich, du kommst zu Tisch. Binde mir die Arme ab. Wir essen.