19. Januar 2010

kannibale und liebe

Keine Angst, Marie. Dein weißer Körper glänzt im Tanz zum Mondschein. Dein goldenes Haar wärmt deine nackte dünne Haut. Keine Angst, Marie, es tut nicht weh. Deine Glieder sind so schön. Jeder deiner Finger schmeckt wie Honigmilch. Deine Schreie betören mich. Marie, ich liebe dich.
Keine Angst, Marie. Ich war doch immer gut zu dir. Du, meine beste. Die Klügste von allen. Hieltest deinen Stift vor dienem Blatt Papier, starrtest mich an und ich starrte weg. Ganz hinten saßt du. Ich hätte dich gern weiter vorn gehabt. Dich näher gehabt. In deine Augen gesehen. Wenn ich mich zur Tafel drehte, wusste ich, dass du mir auf den Rücken starrst. Du sahst durch mich hindurch. Bohrtest ein Loch in meinen Körper. Und ich wusste, dir gefällt mein Körper.
Marie, du bist vierzehn. Ich bin dein Lehrer. Höre auf mich. Du bist klug. Du bist schön. Wenn du sprichst platzt deine Stimme wie rosa Seifeblasen in mein Trommelfell. Du solltest öfter mit mir sprechen. Du solltest mir gehören. Ich wollte dich mitnehmen. Ich wollte dich lieben.
Und du. Du bist zu schön. Bist zu schön um mir zu gehören. Lächelst diese Wichte an. Fasst ihre Hände. Und gehst mit ihnen. ich stand auf dem Pausenhof und weinte. Ich war böse auf dich, Marie. Und liebte dich noch mehr.
Keine Angst, Marie. Jetzt bist du bei mir. Das Zittern hört bald auf. Wenn du in mir bist. Ich kann dich nicht gehen sehen. Deine Schweißperlen sind meine. Dein reifer Körper. Dein kindliches Gesicht.

Dein Herz schmeckt bitter. Meine Zunge verbrennt. Jetzt musst du mich lieben. Der Boden ist weich auf dem du liegst. Und dein Blut ist warm. Nur dein Herz schmeckt bitter. Schmeckt wie unreife Zitronen. Schmeckt mir nicht. Doch Marie, ich liebe dich.