5. Oktober 2009

regentag

Mein lebloser Körper. Unter Regen bedeckt. Man kann ihn nur schwer finden, weil es schon dunkel wird. Der Boden wird weich, ich versinke im Schlamm. Meine Haare färben sich schwarz.

Ich trage einen Zettel bei mir. Mit Worten, lauten und leisen. Von wem wird er gefunden? Von wem wird er gelesen? Vom Fuchs? Vom Hasen? Er ist nass. Das weiße Papier. Mit den Buchstaben. Es reißt ganz leicht und die Tinte verschwimmt.
Ich liege neben meinem leblosen Körper. Ich streichle ihm durchs Haar und sage, dass es mir leid tut. Er ist ganz kalt. Eben war es noch warm in ihm.

Es regnet so sehr. Hoffentlich muss er hier nicht lange liegen. Er versinkt immer tiefer im Schlamm. Dicke Tropfen fallen auf sein Gesicht. Glitzern. Sehen aus wie Tränen.
Ich muss gehen. Ich erfriere hier. Ich steige die hölzerne Leiter hinauf, ohne Ton ein jeder Schritt. Meine nackten Füße spüren Splitter, spüren, wie sie sich ineinander verhaken, wie sie sich scheinbar festhalten wollen, mich.
Ich gehe die Leiter hinauf, immer weiter, höher hinauf. Ich merke, wie warm es ist dort oben. Ich steige, ziehe. Ziehe mich hoch. Es ist, als ob ich gehoben werde.
Die Leiter wird stabil. Ich habe keine Mühe mehr zu gehen. Es ist warm. Ich fühle mich wohl. Obwohl ich nackt bin.
Als ich ein letztes Mal nach unten blicke, bevor ich über die Schwelle trete, tut er mir leid. Der Körper ohne mich. Wie er da liegt. Sieht nur noch aus wie ein Schlauch, eine Plastikhülle, die nichts mehr hält, die bald zerreißt.

Ich winke ihm, lächle hin. Überlege kurz zurückzukehren, mich neben ihn zu legen und zu warten.
Doch Wärme von oben zieht mich so sehr. Hüllt mich ein, ich kann nicht zurück. Jetzt nicht. Ich kann nicht; beschließe mich umzudrehen und hier zu bleiben, oben. Für eine kleine Weile nur. Ich weiß ja nicht, was kommt. Ganz kurz vielleicht bleibe ich. Um mich aufzuwärmen.